vor etwa 2 monaten hatte mich stefan vom projekt Proyectos Ultravioleta aus guatemala angeschrieben. es ging um die teilnahme am normal-festival zu dem er und seine kollegen gerade eingeladen worden waren. sie hatten vor, dort das infobomb projekt zu präsentieren. eine meiner collagen sollte teil davon werden.
ich habe die zugehörige webseite ein paar mal abgesurft und mit stefan einige mails ausgtauscht. trotzdem muss ich aber offen zugeben, das ich bis heute nicht so genau weiß wie und in welcher weise ich in guatemala woran beteiligt gewesen bin, was sicherlich auch an der sprachbarriere liegt.
macht nix dachte ich mir. stefan und ich waren dann kurzerhand so verblieben, dass er sich einfach eines der bilder aussucht, sie herunter läd und damit nach eigenem ermessen verfährt. das spart abstimmungsarbeit und hat die sache für alle beteiligten stark vereinfacht. deb weg nach südamerika haben die bilder wohl über rebel:art und colectiva.tv gefunden.
das sind die momente ich denen ich mich über die möglichkeiten des netzes wieder einmal freuen.
das ergebnis: infobomb in guatemala.

die infobomb zum download
http://www.uvuvuv.com/nrmal.html
heute widme ich mich den machtverlagerungen im bereich des power of trash, dem abrutschen des prekariats, unserer verrohung und dem verlust des interesses an gesellschaftlicher partizipation in unseren reihen gepaart mit ein ganz klein wenig resignation und wut.
das hat natürlich auch viel mit dem zu tun, was wir gerne als finanzkrise bezeichnen. wobei das ja eigentlich nur die tatsache beschreibt, dass ein auf wachstum ausgelegtes system in einem begrenzten raum irgendwann anfangen muss sich selbst zu kannibalisieren.
und so sind die glücklichen profiteure der bestehenden verhältnisse nun leider dazu gezwungen, sich an uns und unseren mickrigen eigenstumsverhältnissen gütlich zu tun. das ist bedauerlich für uns, aber im prinzip nicht zu ändern, weil sonst ja alles in einer großen systemischen krise zusammen brechen würde.
dann hätte keiner mehr was, das wäre für die aktuellen profiteuer wohl eine eher traumatisierende erfahrung, deswegen gesellschaftlich schlicht inakzeptabel. denn niemand darf geopfert werden für das interesse der allgemeinheit!!!11!!1!
und so stehen und reißen wir, die nix haben uns zusammen um die, die viel haben vor der unschönen erfahrung des nix habens zu bewahren. das ist gelebte solidarität!
trotzdem soll an dieser stelle auch mal ein kleiner irrtum korrigiert werden:
die finanzkries gibts eigentlich gar nicht.
dank bilanzierungstricks und virtuellen gelddruckmaschinen im keller gehts dem finanzsystem nach wie vor blendend. und so lange die virtuelle gelddruckerei mit den geldentwertungsbewegungen mithalten ist das ja alles kein problem. reichtum ist keine frage der quantität sonder der relation – diese bleibt an den entscheidenden stellen gewahrt, keine bange.
was uns, also die mehrheit der opfer derzeit also beschäftigt ist viel mehr eine ‘global wallet crisis‘ – also die tatsache, dass immer größere beträge aus immer kleineren taschen entnommen werden müssen, um auch weiterhin zufriedenstellendes wachstum zu generieren.
the global wallet crisis – CLICK THE IMG_PIC!

so was kann dann auch mal für spannungen an den unterschiedlichsten orten sorgen, da müssen wir uns nichts vormachen. soviel zu inspiration von “the global power of wallets and the crisis”

www.billionsareclicking.com/
Kontextualisierung zum ‘klickenden Körper’ aus
Deep Search -Politik des Suchens jenseits von Google / Einleitung
Konrad Becker/Felix Stalder (Hrsg.)
” Claire Lobet-Maris untersucht die Methoden der Technikfolgenabschätzung und formuliert aus dieser Perspektive die Frage, wie Suchtechnologien Gegenstand einer demokratischen Debatte werden könnten. Aus ihrer Sicht sind drei Fragen zu stellen: die Frage der Gleichheit (gleiche Chancen, online gefunden zu werden), die Frage der Tyrannei der Mehrheit (die Link-Analyse begünstigt populäre Seiten), und schließlich die Frage der Transparenz (also die Möglichkeit, die Funktionsweise von Suchmaschinen zu bewerten und in Frage zu stellen).
All dies führt zur Frage der Autonomie. Diese könnte nach Lobet-Maris eingeschränkt werden, wenn Suchmaschinen davon ausgehen, dass der „klickende Körper“, also die Spuren, die Menschen hinterlassen und die von Suchmaschinen aufgesammelt werden, vertrauenswürdiger ist als der „sprechende Körper“ – das also, was Menschen über sich selbst zu sagen haben. Joris van Hoboken wählt einen anderen Zugang zur Frage der Freiheit: Gegenstand seines Beitrags ist die Regulierung von Suchmaschinen in der europäischen Gesetzgebung.”
passend zu wikileaks und dem trend zu mehr transparenz und offenheit gibt es nun eine eigene seite für das 2005 begonnen projekt der collagen. unter creativecommonscollages.org sind nun alle files versammelt, inklusive der entsprechenden links zum download.
zusätzlich gibt es eine übersicht der ausstellungen und publikationen in blogs und magazinen.

die orginale sind digital und frei. – free as in freedom not freebeer …

eine mehr als einhundert jährige expansion geht vorläufig zu ende.
was duchamp im fröhlichen spott bereits andeutete, brachte hirst im smarten zynismus zur vollen entfaltung.
die kunst der moderne war in ihrer kontinuierlichen überwindung jeglicher antagonismen schon immer die tocher der freiheit, der freiheit der märkte.
wogegen sich generationen von künstlern mit immer neuen volten verzweifelt gewehrt haben, ist in unseren tagen endlich eingetreten:
kunstsystem und kunstmarkt bilden ein amalgan als vollendetes ganzes,
und die kunst als solche zeigt sich nun stolz und ohne scheu als avantgardemedium des spektakels.
so wird jetzt deutlich sichtbar was schon immer wirklichkeit gewesen ist und es verschwindet, was als illusion, falle und gefängnis unserer kraft und energie angelegt war.
www.the-alpha-and-the-omega.com
was für wunderbare zeiten der wahrheit.
hunderte millionen klicken und mouse-moven aberbillionen mal täglich.
die hand ist eine der zentralen schalt- und schnittstellen der sich immer weiter verdichtenden synthetischen welt.
und dennoch ruht sie fast bewegungslos und relativ unbeachtet neben den maschinen, auf und vor dem desktop.
aus diesem anlass 3 kommentaren zur würdigung der hand,
für zwischendurch, zum anklicken:
1. vom klicken dürfen und klicken sollen
www.dialecticdoubleclick.net
2. vom unterwerfen und unterworfen werden
www.slightlychanges.net
3. vom mousemoven ohne zu moven
www.desktopperformance.de
auch wenn nix los is, is was los. immer. überall.
nur eben hier nicht.
unabhängig von solchen allgemeinplätzen gibt es einen konkreten anlass einmal eine post abzusetzen. seit etwa einem halben jahr arbeiten wir gemeinsam mit freundinnen und freunden am projekt vierwändekunst 2010 – einem kunstfestival in düsseldorf. dort habe ich einen posten in der künstlerische leitung übernommen und so bleibt derzeit wenig zeit für anderes.
das macht nichts, denn trotz aller höhen und tiefen welche man während einem solchen unterfangen durchläuft, gehört die organisation eines kunstfestivals ja immer noch zu den dingen die ein mann mindestens einmal im leben getan haben muss um als mann zu bestehen. zumindest diesen punkt kann ich also von meiner liste streichen. als nächstes pflanze ich aber dann wohl doch lieber einen baum, das stelle ich mir weitaus weniger stressig vor.
aber zurück zum anlass des postings. heute war ein guter tag, denn die poster sind fertig geworden.
rieke stand die letzten beiden tage inmitten von lösungsdämpfen um den drucken den letzten schliff zu geben: die sonderfarben im siebdruckverfahren.
hier das ergebnis.

die plakate für das vierwändekunst festival 2010 sind fertig
http://www.vierwaendekunst.de/
http://www.facebook.com/vierwaendekunst
nach vielen monaten harter und entbehrungsvoller arbeit erblickt eine neue collage das licht der welt.
www.superblasterescalationpower.de

die arbeit knüpft an das vor mehr als 5 jahren entstandene tryptichon www.massivestructuraloverload.de an. gleichzeitig eröffnet diese neue collage aber aufgrund der noch höheren dichte, der wachsenden tiefe und der elaborierteren formalen mittel einen neuen arbeitszyklus, mit unbekanntem ziel.
wie immer steht auch diese arbeit unter creative commons lizenzen zum download bereit.
www.superblasterescalationpower.de/originale/
weitere arbeiten folgen.
bitte bleiben sie an den apparaten.
vom wert der kunst, ihren autoren und dem rituellen tanz um das unikat im zeitalter verlustfreier, technischer reproduzierbarkeit

in der vergangenen woche kamen zwei ereignisse zusammen die mich dazu veranlasst haben, endlich www.sellingthe.net zu überarbeiten, ein projekt welches ich schon seit geraumer zeit noch einmal angehen wollte.
erdacht vor einigen jahren, von der grundidee her nach wie vor spannend, war es nur einfach viel zu sperrig in der ausformulierung. aber warum eine gute idee weg werfen dachte ich mir, zumal sie ja schon einmal funktioniert hatte.
anfang der woche hatte mich jochen d. aus leipzig angeschrieben, er interessiert sich für www.dystopiadeathstar.de und wollte davon einen abzug anfertigen.
dabei schrieb er mir “Theoretisch könnte ich es mir ja auch selbst ausdrucken, aber ich würde deine Arbeit gerne unterstützen und außerdem hätte ich gerne eine Signierung, wenn es möglich wäre“. es steht völlig außer frage, das hat mich natürlich gefreut, denn genau so soll es ja auch sein.
an dieser stelle also noch mal einen herzlichen dank nach leipzig für den support.
gleichzeitig entstand im anschluss zweier postings zum problem der ‘autonomen ästhetik’ beim geschätzten blogger-kollegen bersarin eine dabette um den möglichen wert von kunst, die autorschaft, die rezeption und eben um ästhetik. in den postings habe ich mich mehr oder weniger glücklich an der debatte beteiligt. so bemerkte ich dann dabei aber eben auch ganz schnell wieder, ich bin doch sehr viel mehr ein künstler als ein philosoph. die harten knackigen fragen, vor allem aber das angemessene debattieren darüber, werde ich den kollegen dort überlassen. meine beiträge sind dann eben doch jene, die ich mit den eingeübten mitteln der kunst formulieren kann.
sellingthe.net – relaunch

sellingthe.net ist eine netzbasierte künstlerische annäherung an die fragen und probleme die mit der wertschöpfung auf basis von kunst verbunden ist. die basis des projekts ist die erste der collagen, www.massivestructuraloverload.de diese steht so wie alle anderen collagen auch unter den entsprechenden creative commons lizenzen zum download bereit. www.massivestructuraloverload.de ist aber auch teil und basis eines multiples nach den regeln von sellingthe.net.
die kunst braucht relevanz.
dank der erfolgreichen emanzipationsbewegung in den letzten beiden jahrhunderten und der damit gewonnen freiheit, ist diese relevanz jedoch nicht mehr per se gegeben. die kunst muss sich ihre bedeutung und eben auch die darüber erst gerechtfertigte freiheit immmer wieder erarbeiten. in erster linie erhält und erfährt sie ihre relevanz aber durch das überschreiten von grenzen, vom damit verbundenen perspektivwechsel und durch die eröffnung neuer blickwinkel auf die prozesse unserer wirklichkeit.
kunst hat im 20 jahrhundert eine beispiellose expansionsbewegung hinter sich, die vor nichts halt gemacht hat. alle materialien, alle dinge und alle bereiche des lebens sind zur kunst erklärt worden. die frage ob etwas heute kunst sein kann, ist nach dieser ausweitung nicht mehr von bedeutung. kunsttheorie und wissenschaft vermag heute alles zur kunst zu deuten, somit ist alles kunst und nichts ist mehr kunst, je nach blickwinkel.
ein beispielloser bedeutungszuwachs
gleichzeitig hat die kunst, an gesellschaftlicher bedeutung gewonnen. der wunsch und das verlangen danach, sind heute so groß wie nie zuvor. zur langen nacht der museen ziehen tausende durch die innenstädte, werke berühmter künstler erzielen nach wie vor höchstpreise und die akademien erleben seit jahren einen nie dagewesen andrang. kurz die kunst ist derzeit mindestens so hip wie es ihre schwester, die werbung einmal gewesen ist.
und sie ist damit in der mitte der gesellschaft angekommen, sie bietet dort vermeintlich freiräume und ist projektionsfläche für träume der freiheit und des selbstbestimmten lebens mit der botschaft: “seht her, es geht immer noch. jeder kann, wenn er nur will frei und erfolgreich sein.”
womit ihr natürlich auch eine höchst problematische politische funktion zu fällt.
alles super?
doch gleichzeitig entsteht für die künstler ein problem. in dem die kunst selber teil der gesellschaftlichen prozesse ist, ist von dort aus der perspektivwechsel nicht mehr möglich, der blick von außen nach innen ist verstellt. die künstlerische strategie der entgrenzung fällt weg, die arbeiten bieten zwar neue reize bleiben aber zwangsläufig hermetisch.
kunst wird damit zum gefängnis der künstler, eine comfort-zone der narrenfreiheit, bequem aber ohne bedeutung.
die relevanz der arbeit schwindet an vielen stellen, einmal abgesehen von der funktion als vorlage kunstheoretischer masturbationsfantasien. nicht von ungefähr kommt der satz “ach so, das ist kunst, na dann…”
ja klar doch!
eine zeitgenössische kunst die ihre relevanz behalten und auch über den aktuellen horizont hinaus bedeutung behalten soll, muss sich unter anderem auch diesem phänomen stellen.
der künstler muss aus diesem grunde – so wie immer wieder und vielfach unter dem label der avantgarde geschehen – das kunstsystem so gut es eben geht verlassen, mit all den damit verbundenen konsequenzen für ihn.
und trotz der damit verbundenen probleme und widrigkeiten eröffnen sich dem künstler damit automatisch neue perspektiven.
aber viel wichtiger ist, trotz der totalen expansion der kunst und der vereinnahmung sämtlicher materialien durch diese, eröffnet sich mit diesem schritt ein neues feld. der künstler findet ein gänzliches neues und weitgehend unverbrauchtes materiall vor: das kunstsystem selber.
na gut ich gebe es zu. jeder hat seinen preis und auch ich bin käuflich. doch zu meiner verteidigung sei erwähnt herr baselitz hat durchaus charme und wenn er etwas wirklich will, kann er eine bemerkenswerte penetranz entwickeln.
zu anfang war es mir noch gelungen seine telefonischen anfragen mit dem freundlichen hinweis auf die freie verfügbarkeit meiner bilder abzuwehren. doch wer den maler einmal kennen gelernt hat der weiß, so leicht lässt er sich nicht abwimmeln. bei der einladung zu tee und später rotwein in beachtlichen mengen wurde ich dann weich. so habe ich ihm dann eben doch ein werk signiert und verkauft: “thegreattransition.de“. und um ganz ehrlich zu sein, ich bedauere es nicht.
angenehmer nebeneffekt, als tags darauf der fotograf der preisgekrönten kluge-köpfe-kampagne der faz zum termin erschien, hat er ein paar aufnahmen des ateliers gemacht. frank hat mir diese dann freundlicherweise noch per mail zu kommen lassen. in die kampagne selber hat es dieses bildmotiv dann leider doch nicht geschafft, aber das ist ja irgendwie auch klar.

alle freunde der bilder und der creative commons können natürlich beruhigt sein, das bild steht nach wie vor zum freien download unter www.thegreattransition.de/originale/ zur verfügung.
frisch aus dem flieger, noch am düsseldorfer flughafen und den jetlag natürlich noch nicht ganz aus den knochen, poste ich beim warten aufs gepäck hier mal ein bild der letzten arbeit. eine fortsetzung der ‘publikumsbeschimpfungen international‘, ein projekt welches ich vergangenen herbst auf unserem mehrmonatigen asientrip begonnen hatte.
nun gab es eine fortsetzung in tokios amüsierviertel kabukicho, umgesetzt und realisiert mit freundlicher unterstützung durch jcdecaux.com worldwide.
wer also in den nächsten tagen mal in tokio ist, schaut einfach mal vorbei.

publikumsbeschimpfungen international, Tokio Kabukicho | 2010
vor einigen jahren habe ich – aus purem zufall – in der kölner innenstadt einen schnappschuß der hohe strasse gemacht der es in sich hatte.
das bildmotiv war darauf hin in köln auf dem rundgang der kunsthochschule zu sehen, ist dann aber wieder in der versenkung verschwunden und zwischenzeitlich in vergessenheit geraten. erst vor kurzem, als ich mein portfolio aufgefrischt und meine webseite erneuert habe, fiel es mir wieder in die hände. ich habe es alain bieber von rebel:art geschickt und er nahm es freundlicherweise in seinen blog auf.
kurz darauf fielen mir die fotos des vergangenen asientrips wieder ein. ich warf einen scharfen blick drauf und stellte fest, die situation in bangkok ist ähnlich und unterscheidet sich nicht mehr wirklich von europäischen verhältnissen.

bangkok siam square | 2009
ich habe mich dann entschieden das thema wieder aufzunehmen und weiter zu verfolgen, woraufhin ich letzte woche in der düsseldorfer innenstadt unterwegs war um ein paar fotos zu machen. das ergebnis ist eigentlich nicht weiter verwunderlich, überall das gleiche bild.


düsseldorfer innenstadt am wehrhahn und schadowstraße | 2010
weitere infos im archiv der seite unter ‘Neue Ehrlichkeit’
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